5. Renovierung im Jahr 1991


von Heinrich Emmendörfer

Der Zustand der Kreuzkirche Ende der 1980er Jahre war schlecht: Risse in den Deckengewölben waren zu sehen, der Wandputz bis in 2 Meter Höhe durch Feuchtigkeit zerstört, die Farbe blätterte ab.


Im Jahr 1991 wurde die Kreuzkirche umfassend renoviert. Die Orgel wurde ausgebaut, die Kirchenbänke ausgelagert, das Altargemälde an das Niedersächsische Landesmuseum abgegeben, die Kronleuchter abgehängt und die Taufe sowie die übrigen sakralen Gegenstände in die Marktkirche ausgelagert. Dann wurden zunächst die Grabplatten, in die die Feuchtigkeit aus der Wand eingedrungen war, abgenommen. Sie sollten später, von der Wand abgesetzt und von Mauerhaken festgehalten, wieder aufgestellt werden. Eine Luftschicht zwischen Außenwand und Grabplatte sollte die Aufnahme von Feuchtigkeit aus der Mauer verhindern.

Nach dem Abschlagen der Putzschicht bis in 2 Meter Höhe kam das originale Mauerwerk zu Tage: Hausteinquader, Bruchsteine und Ziegelsteine wechselten einander in bunter Reihenfolge ab. Frühere Öffnungen und sogar eine kleine zugemauerte Nische, für die Aufnahme eines Weihwassergefäßes oder einer Figur bestimmt, wurden sichtbar. Beim Anblick dieses unterschiedlichen Mauerwerks konnte man erahnen, wie kostbar das Baumaterial im 14. Jahrhundert gewesen sein musste, da soviel verschiedene Steine und Steingrößen in der Wand verarbeitet worden waren.

Auch die Altarplatte (mensa), frei von spätgotischem Aufsatz und Altardecke, zeigte ihre Besonderheiten. In der Mitte befindet sich ein leeres Reliquiengrab (Altar-Sepulcrum) und davor sowie in den vier Ecken in den Stein eingemeißelte Kreuze. Diese mensa wurde seinerzeit bei der Entsakralisierung der Schlosskirche anlässlich des Ausbaues des Leineschlosses zum Landtagsgebäude aus einer Wand herausgenommen und in der Kreuzkirche als Altartisch wiederverwendet. Sie stammt vermutlich aus dem Minoritenkloster St. Maria, das an der Stelle des heutigen Leineschlosses im Jahr 1291 gegründet worden war. Beim Umbau der Schlosskirche 1839 war der mittelalterliche Chor verkürzt worden, um eine Wachstube neu einzurichten. Bei dieser Gelegenheit war die mensa in die Wand eingemauert worden.

Das Kreuz, das den Altar schmückt, hat auf der Rückseite eine silberne Platte mit folgender Inschrift: „Dieses Crucifix wurde von seiner Majestät dem Könige Ernst August bei Einweihung der Schloßkapelle zum Pfingstfest 1839 derselben geschenkt.“

Foto (Ausschnitt): Ulrich Ahrensmeier
Auch die drei aus der Aegidienkirche stammenden Kronleuchter sind restauriert worden. Bei dieser Gelegenheit wurden die Inschriften, die sich auf den Kugeln der Kronleuchter befinden, festgehalten. Sie lauten (vom Eingang her betrachtet):

Kronleuchter (Figur/Birne): AO 1675 HAT WEIL JOH. KLEINE SEN. DIESE KRONE ZU ERST AUF DIESES CHOR GESCHENKET. AO 1717 ALS IM 2tn EVANGEL. LUTH. JUB. JAHR HAT DESSEN HINTERLASSEN SOHNES WEIL. BART. KLEINEN NACHGELASSE WITE DIESE KRONE HINWIEDER ERNEUERN UND VERBESSERN LASSEN.

Kronleuchter (Jupiter/Adler): GOTT ZU EHREN DER GEISTLICHEN GEMEINE UNDT DER KIRCHEN ZUM BESTEN IST DIESE CRONE VON SEHL. BURCHARDT JUNGEN SEN. UNDT DESSEN HAUSFRAUEN ANNA GROVEN IN DIESE KIRCHE ZU ST. AEGIDIEN VEREHRET DEN 8. JUNY ANNO 1688.

Kronleuchter (Adler/Bischof): DER MOLLER CRON. M. CHRISTOFER OLDE. M. HANS BLOCK. M. HINRICH WILKEN. HANS NORDTMEIER. ANDREAS OVERHEI. BARDTOLT BEBE. BARDTOLT FREDEKE. HINRICH BOMGARDE. MORIDTZ KOLLING. EVERDT FRERKING. HENNING RICHERS. LUDEKE BACKHUS. HENNING PAPE. PEDTTER RODENBOSTEL. CHRISTOFFER EMERKE. CORENS MOLLER.
IHR REINECKEN B.M. 1753 HAT MICH GEGOSSEN.
M. HINRICH RÜSCHEN MÜHLENMEISTER. M. MARCUS GRANDEMAN. M. ERICH HAVENSHILDT. HEINRICH WEIPEN. M. CHRISTOFFER LANGE. M. PHILIP LANGE. 1720 JOHANN CHRISTOPHER SCHLÜTER KUNST UND MÜHLENMEISTER 1742.

Foto: Ulrich Ahrensmeier
Für die Ausleuchtung der Seiten des Kirchenschiffes und des Altarraumes ließ der Kirchenvorstand Wandleuchter aus Messing anfertigen, die die Stilelemente der Kronleuchter wieder aufnehmen. Im Rahmen der Städtepartnerschaft Hannover – Posen wurde der Innenarchitekt und Leuchtermacher Jerzy Kreuz mit der Anfertigung der Wandleuchter beauftragt.

Um die Kreuzkirche vielfältiger für Chor- und Orchesterkonzerte sowie Vortragsveranstaltungen nutzen zu können, wurden schließlich die Bankreihen durch Einzelstühle ersetzt. Ostern 1992 kehrte das Altar-Retabel von Lucas Cranach d. Ä. wieder in die Kreuzkirche zurück und wenig später wurde die Orgel wieder eingebaut.