3. Ausstattung: Altar


Foto: Ulrich Ahrensmeier
Einziger Schmuck des schlichten Kircheninnenraumes sind seine Kunstschätze, die in verschiedenen Jahrhunderten geschaffen wurden. Mittelpunkt der Gottesdienste und damit auch des Raumes ist der Altar mit seinem spätgotischen Aufsatz. Ursprünglich stand dieses Malwerk in der Stiftskirche St. Alexandri in Einbeck; es kam dann durch Kauf in den Besitz der Herzöge zu Braunschweig-Lüneburg, die es 1675 in ihrer neuen Schlosskirche im Leineschloss während des katholischen Interregnums (1666 – 1680) aufstellen ließen.

In den Wirren der Franzosenzeit wurden die Flügelaußenseiten abgetrennt. Sie kamen 1816 zunächst in die Sammlung Hausmann, 1857 in königlich-hannoverschen Besitz und wurden 1925 von der Niedersächsischen Landesgalerie erworben. Das Mittelbild und die beiden Flügel kehrten jedoch bald in die Schlosskirche zurück. Seit Ende des Krieges gehört der Altaraufsatz der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers.


Das bedeutsame Altarwerk ist eine signierte Arbeit aus der Werkstatt des Wittenberger Malers Lucas Cranach d. Ä.; es dürfte vor 1537 gemalt worden sein.

Der Altar zeigt im Mittelfeld eine volkreiche Kalvarienbergdarstellung mit dem Kreuz Christi in der Mitte; die Kreuze der Schächer sind ihm schräg zugewendet. Dazwischen und davor eine dicht gedrängte Figurenmenge, rückwärts Soldaten mit empor gestreckten Speeren und Lanzen. Links davor die Gruppe der Trauernden, noch weiter vorn die um das Kleid Christi würfelnden Knechte, rechts der Hauptmann und andere zu Pferd, dazu mancherlei Motive: ein Mann mit einem Kind an der Hand, ein Gewappneter, ein Hund, ein Kamel und anderes. Auf den Flügelinnenseiten sind die Patrone der Stiftskirche zu Einbeck, Alexander und Felicitas, dargestellt.

„Auffallend und eindeutig unterscheiden sich die Bilder von Alexander und Felicitas von der Kreuzigung auf dem Mittelfeld. Sie sind stilistisch anders und auch qualitativ schwächer. Die Mitteltafel mit der Kreuzigung zeigt das warme, blühende Kolorit mit vielen leuchtenden Tönen, wie es für Lucas Cranach charakteristisch ist. Die Flügel sind dagegen auf kühle und mehr graue Töne gestimmt. Dazu ist ihre Form nicht so minutiös wie die des Mittelbildes, sie ist großflächiger und klassischer stilisiert. Kaltgrau steht der Erdboden unter den beiden Heiligenfiguren neben dem goldgelben der Kreuzigung, und diese zeigt das lebhafte, kleinteilige Farbenmosaik, das für viele Passionsdarstellungen Cranachs bezeichnend ist.

Und wie viele Schönheiten birgt dieses Mittelbild. Vorzüglich der Kopf der Maria Magdalena, die am Kreuzesstamm kniet, vorzüglich auch die Köpfe der Trauernden, mancher unter dem Volk, in dem man geneigt sein könnte, Porträts zu erkennen. Anderes ist schwächer, aber beispielsweise sind die Pferde auch nicht plumper als in anderen gesicherten Bildern von Lucas Cranach dem Älteren, dessen Meisterschaft die Köpfe der Maria Magdalena und der Trauernden wohl würdig sind; gut auch der Kopf des Mannes mit dem Turban. Cranach hat die Kreuzigung gewiss nicht allein gemalt, Gehilfen haben mancherlei ausgeführt, aber es geschah unter seiner Kontrolle ... Um ein Grad schwächer sind die Martyrienbilder, aber auch sie sind reizvolle Zeugnisse der Kunst Cranachs des Älteren und seiner Werkstatt. Anders verhält es sich mit den Flügelinnenseiten, den stehenden Heiligen und den Steinbögen an ihren oberen äußeren Ecken. Dass auch sie von einem Schüler oder Mitarbeiter Cranachs ausgeführt worden sind, ist gewiss“ (gekürzt aus einem Gutachten von Alfred Stange).

Foto: Ulrich Ahrensmeier
Auf den Außenseiten der Flügel wird die Geschichte der Patrone der Einbecker Stiftskirche durch die Darstellung des Martyriums der sieben Söhne der Felicitas ergänzt. Beide Bilder sind Kopien von 1975 der in der Niedersächsischen Landesgalerie ausgestellten Originale. Rahmen und Predella wurden 1961 hinzugefügt.

Eine weitere Besonderheit des Kreuzkirchenaltars ist die mensa (Altarplatte), in deren Mitte sich ein leeres Reliquiengrab befindet (Altar-Sepulcrum), umrahmt von in den Stein eingemeißelten Kreuze. Diese mensa wurde seinerzeit bei der Entsakralisierung der Schlosskirche anlässlich des Ausbaues des Leineschlosses zum Landtagsgebäude aus einer Wand herausgenommen und in der Kreuzkirche als Altartisch wiederverwendet. Sie stammt vermutlich aus dem Minoritenkloster St. Maria, das an der Stelle des heutigen Leineschlosses im Jahr 1291 gegründet worden war. Die mensa des Kreuzkirchenaltars ist damit die älteste mensa Hannovers, die bis heute im gottesdienstlichen Gebrauch ist.


Mehr zum Cranach-Altar: http://www.kreuzkirche-hannover.de/geschichte/1180023217.html.