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Der gesteigerte Bedarf nach Plätzen in der Kirche nach Einführung der Reformation gab um 1560 den Anlass zu einem durchgreifenden Umbau von St. Crucis. Zunächst wurde auf der Nordseite ein dreijochiges Seitenschiff in Backstein (Ziegelmaß 8/12/275) mit einem sehr kurzen Eingangsjoch angefügt. Um es zum Hauptschiff öffnen zu können, fiel die Nordwand der drei östlichen Joche. Es blieben nur magere Stützen übrig, die zu mächtigen Rundpfeilern verstärkt werden mussten, um gleichzeitig auch die Lasten für das jetzt im Hauptschiff geplante Ziegelsteingewölbe aufnehmen zu können. Den Rundpfeilern der Nordseite entsprachen dreieckige Vorlagen auf der Südwand. Um weiteren Besuchern Platz zu bieten, bekam das neue Seitenschiff noch eine Empore.
Entsprechend den geänderten Liturgien benötigte die Gemeinde Raum für einen Schülerchor. Deshalb erhielt die Annenkapelle 1591 eine Zwischendecke und einen runden Treppenturm, in dessen Mauerwerk als besonderes Merkzeichen ein Stein mit dem hannoverschen Kleeblattwappen eingemauert wurde. Die Annenkapelle beherbergte danach im Erdgeschoss eine Sakristei und darüber mit einer Öffnung zum Chorhaus die eben erwähnte Schülerchorempore. Später wurde die Sakristei zu einer Bibliothek umgenutzt. Sie verblieb hier bis 1855, als sie bei der Gründung der Stadtbücherei für diese als Grundstock übernommen wurde. Der Innenraum wurde 1594 durch eine steinerne Renaissancekanzel durch Claus von Münchhausen bereichert. Bereits 1658 wieder ausgebaut, kam sie später in die Kirche nach Lauenau am Deister; sie hat dort die Zeiten überdauert.
Als eine der frühesten Laternenhauben Niedersachsens steigt der neue Turm bis zu 70 m Höhe auf. Ihr achtseitiger in Kupfer eingedeckter Helm mit Laterne und Spitze wird in ihrer Höhenentwicklung durch drei Reihen von nach oben immer kleiner werdenden Gauben verstärkt. Am Bau beteiligte sich der Kaufmann und Ratsherr Johann Duve (1611 – 1679) finanziell mit einer maßgeblichen Summe.
Den Turmspitzen der Neustädter Hof- und Stadtkirche St. Johannis und von St. Aegidien diente St. Crucis neue Haubenlaterne bei deren Turmneubauten nach 1700 als Vorbild. Die Nische und die Figur des heiligen Petrus oberhalb des Turmportals stammen aus der Zeit um 1850.
Der Kirchraum wurde 1675 durch eine Chorschranke, 1692 durch eine obere Prieche im Seitenschiff und dann 1758 durch eine neue Kanzel bereichert. Leider überstand die von Hofbildhauer J.F.B. Ziesenis reich geschnitzte Hängekanzel den Krieg nicht.
Ebenfalls verbrannte 1943 der neugotische Altar von 1858 mit einem nach Skizzen von Schnorr von Carolsfeld gemalten Mittelbild. Er hatte das wohl gleichfalls von Ziesenis 1756 gestaltete Altarretabel abgelöst. Die Regotisierung des Innenraumes wurde 1880 mit neuen Emporen und 1910 mit einer Orgel (beide Stücke nach Plänen von Stadtbaumeister Rowaldt) sowie einem Gestühl fortgeführt. Bereits 1822/23 war im Zuge einer gründlichen baulichen Instandsetzung der Kirche den übriggebliebenen mittelalterlichen und nachreformatorischen Stücken das gleiche Schicksal wie denen der Markt- und Aegidienkirche widerfahren: sie wurden ausgeräumt, verkauft oder vernichtet. Lediglich das Bronzetaufbecken entging Dank eines schnellen Zugriffes durch den hannoverschen Sammler Hausmann der Verschrottung. Der Weltkrieg hinterließ St. Crucis als ausgebrannte Ruine. Der Turmhelm fehlte, vom Seitenschiff und der St. Annenkapelle standen nur noch Mauerreste. Nachträglich noch mussten die sehr desolaten Steingewölbe herausgebrochen werden.
Die südlich anschließenden Gebäude, von denen insbesondere der mit seinen ältesten Teilen von 1649 stammende Ballhof (jetzt Schauspielhaus des Niedersächsischen Staatstheaters) herausragt, leiten über zum städtebaulichen Ensemble am Holzmarkt und in der Kramergasse. Es dokumentiert den ehemals reichen Bestand bemerkenswerter Bürgerhäuser der Altstadt von Hannover, in der neben der benachbarten Marktkirche und der etwas südlicher liegenden Aegidienkirche auch die kleinere Kreuzkirche einen gewichtigen Platz einnahm.
Am 4. Advent 1960 fand die Wiederweihe als »Schloss- und Stadtkirche St. Crucis« statt. Im neuen Namen wird die gemeinsame Nutzung der Kirche dokumentiert. Die starken Schäden am Nordschiff gaben Anlass, auf die Wiederherstellung dieses Bauteiles zu verzichten. Bedauerlich ist der Verlust der zierlich gegliederten St. Annenkapelle, die der Kreuzkirche von der Schmiedestraße her gesehen ein so reizvolles Gesicht gegeben hatte. Deutlich unterscheidet sich das neuzeitliche Mauerwerk der Schiffsnordwand von dem des mittelalterlichen Bauwerkes. Die Maßwerke aller Fenster entwarf Ernst Witt, in dessen Händen planerisch der Wiederaufbau lag. Anhand überkommener Zeichnungen gelang es, den frühbarocken Turmhelm originalgetreu zu rekonstruieren. Mit Ausnahme der St. Aegidienkirche haben damit alle Innenstadtkirchen ihre prägnanten Turmspitzen zurückbekommen. Duves Grabkapelle auf der Südseite blieb vom Krieg weitgehend verschont. Ihr Innenraum dient heute als Sakristei. Da die Sandsteingiebel durch Umwelteinflüsse verloren zu gehen drohten, wurden sie vor kurzem durch genaue Kopien in Obernkirchner Sandstein ersetzt.
Zum Architekten Konstanty Gutschow: |
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